Eindrücke aus der vergangenen Asana-Fortbildung in Lundo
Thema der vergangenen Yoga-Fortbildung war Tapas – das Streben – die feurige Disziplin. Der Begriff Tapas kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Askese aber auch Feuer, Hitze oder Plage. In der Ankündigung wurde von Heinz Grill auf den Yogalehrer Iyengar aufmerksam gemacht, der diszipliniert übte und strebte und in dessen Persönlichkeit sich Tapas unmittelbar ausdrückt.1
In der Fortbildung beschreibt Heinz Grill die drei Ebenen des Tapas – Das Tapas des Körpers, der Rede sowie das Tapas der Gedanken und Gefühle. Die drei Ebenen sind bereits in der Bhagavad Gita im Kapitel 17 (Verse 14-16) erwähnt. Wie können sie heute verstanden werden und wie kann ein rechtes Streben konkret und praktisch aussehen?
Die erste Ebene kann mit der Asanapraxis in Verbindung gebracht werden. Heinz Grill legte dem Kurs nahe, intensiv Asana zu praktizieren und so wurde 5h pro Tag praktiziert. Allein die Zeitdauer erfordert natürlich eine gewisse Disziplin, jedoch sollte man sich ganz konkret vornehmen die Asana zu einer ordentlichen Ausformung, einem schönen Ausdruck zu entwickeln, anstelle „einfach so“ hineinzugehen.
Das zweite ist das Tapas der Rede – man spricht nur das, was notwendig ist, man unterlässt jedoch nichts, was zu sagen ist. Iyengar sagt hierzu außerdem: „Die Wahrheit sprechen ohne auf die Folgen für sich selbst zu achten.“2
Sehr eindrücklich spricht Heinz Grill die dritte Ebene an. Das Tapas der Gedanken und Gefühle. Im Sinne des Tapas sind Gedanken und Gefühle zu ordnen, denn viele davon sind fremd. Man nimmt im Laufe der Zeit verschiedenste Gedanken und Gefühle auf und ist sich nicht bewusst, dass diese gar nicht die eigenen sind. Deutlich wird dies z.B. beim Depressiven, dessen Schwere im Fühlen, sofern sie als etwas Eigenes und Endgültiges betrachtet wird, zu keinerlei Entwicklung führen kann. Auch Gedanken, die beispielsweise über suggestive Werbung oder vermeintliche gesellschaftliche Normen aufgenommen werden, sind als fremd zu erkennen. Der Wille ist
aufzurichten.
Wieder zurückkommend auf die Asanapraxis betont Heinz Grill die Bewusstseinsführung. Das schöne Ziel, ästhetische Formen zu erschaffen und anhand der Vorstellung zu dieser Form etwas hinzuzufügen, bedarf der Führung des Bewusstseins. Weniger günstig wäre, diese „gerade so
hinzubringen“. Auch im Yogaunterricht solle man daran arbeiten, dass anhand eines Gedankens zur Asana etwas hinzukommt und nicht nur mechanisch geübt wird.
Übertragen auf das Leben ist es ebenfalls wesentlich sich selbst führen zu lernen, sich inhaltliche Ziele zu setzen und diese umzusetzen. Bis ein Inhalt im Herzen aufersteht ist Disziplin in der Auseinandersetzung notwendig. Der Inhalt ist dann individualisiert und strahlt aus dem Zentrum wieder hinaus. Es ist eine Bewegung von Außen (vom Gedanken) zum Individuum und wieder nach Außen im Sinne einer Förderleistung für das Gesamte. Durch geistige Entwicklungsschritte können wir etwas für das Gesamte freisetzen.
Zur Bewusstseinsführung verweist Heinz Grill auf die Bhagavad Gita – Kapitel 2, ein Teil des Vers 50:
… yogaḥ karmasu kauśalam.
… Yoga ist die Geschicklichkeit im Handeln.
Eine wertvolle Einheit war die nähere Betrachtung des Begriffs Disziplin. Wie wird er im Alltag verstanden? Wie kann er außerdem eher eine positive oder auch eine negative Bedeutung bekommen? Wie könnte der Begriff im idealen Sinne gedacht werden? Häufig sind Begriffe mit verschiedenen Wertungen belegt, derer wir uns gar nicht mehr bewusst sind. Die Disziplin im Sinne eines Aufgerichtetseins zu einem Inhalt kann idealerweise sehr freudig und zwangfrei
gedacht werden und, um mit Iyengar abzuschließen, kann sich ein Inhalt dann sogar so sehr in einer Person individualisieren, dass die Seele nach dem Tode eine Kraft für die Menschen hinterlässt.


Heinz Grill demonstriert eine grundlegende und eine weitergeführte Ausgestaltung des Kamels (ustrasana) – ein schönes Entwicklungsziel ist die gute Mittenformung im Bereich des dritten Zentrums.


Kopfstand – sirsasana
Rad – cakrasana


Heinz Grill kennzeichnet die Zentrierung im Fisch
Korrektur der Kopf-Knie-Stellung im Sinne einer strebsamen Weiterentwicklung und ordentlichen Ausformung der Stellung.
- https://heinz-grill.de/yoga-fachfortbildung-2026/ ↩︎
- B.K.S. Iyengar: „Licht auf Yoga, Das grundlegende Lehrbuch des Hatha-Yoga“, S. 30 ff. ↩︎
